Die Macht der Medien – Zwischen Verdummung, Verschwörung und Aufklärung

Rainer, Phillip und Pegah sind der Quote auf der Spur | Foto: Quelle http://pathefilms.ch/libraries.files/FreeRainer02.jpg
Rainer, Phillip und Pegah sind der Quote auf der Spur | Foto: http://pathefilms.ch/libraries.files/FreeRainer02.jpg

Was ist eigentlich die Fernsehquote, wer macht sie und lassen sich die Quoten manipulieren? Die ersten beiden Fragen sollten Studierende der Medienforschung & Medienpraxis beantworten können. Der Frage, wie sicher das System der Quotenmessung der GfK ist, stellt der Film “Free Rainer – Dein Fernseher lügt” mit der Story um den Fernsehproduzenten Rainer und der Aktivistin Pegah.

Im Zentrum der Satire von Hans Weingartner über die Macht der Medien und den Einfluss auf unsere Gesellschaft steht der fiktive Unterhaltungssender TTS. Dort laufen volksverblödende und sexistische Shows und Serien, wie zum Beispiel “Hol dir das SuperBaby!”, bei der Spermien um die Wette zur vermeintlichen Vaterschaft schwimmen. Beim Produzent der Show, Rainer (Moritz Bleibtreu), dreht sich alles nur um Geld, Drogen und Erfolg. Sein schlechtes Gewissen, mitverantwortlich für die steigende Verdummung der Leute zu sein, betäubt er täglich mit Kokain und Alkohol. Er verkörpert “das Arschloch” in Person. Plötzlich taucht jedoch die junge Aktivistin Pegah (Elsa Sophie Gambard) auf und verwickelt Rainer in einen Verkehrsunfall. Aus dem Koma erwacht, scheint der Produzent eine komplette Kehrtwende gemacht zu haben und will nun gegen die „mediale Volksverblödung“ ankämpfen. Fortan soll nur noch Kultur und Bildung im Fernsehen laufen. Nur leider steht ihm die Quote im Weg. Gemeinsam mit Pegah, dem soziophoben Sicherheitsbeamten und Hacker Philipp (Milan Peschel) sowie fünf Arbeitslosen, welche direkt vorm Amt wegrekrutiert werden, macht sich Rainer nun daran, das Problem an der vermeintlichen Wurzel, nämlich der Quotenmessung selber, zu packen.

Auch wenn es die Darsteller bisweilen schaffen, in ihren Rollen aufzugehen – so liefert beispielsweise Milan Peschel eine ausgezeichnte Darstellung des Freaks – wird der interessanten Story oft durch fehlende Charaktertiefe und Authenzität die Spannung genommen. So schafft es Bleibtreu zwar, den Zuschauer mit seinem Arschloch-Gehabe im ersten Teil des Filmes zu überzeugen, der plötzliche Sinneswandel der Figur wirkt aber bisweilen erzwungen und konstruiert. Auch die dem Film unnötigerweise angedichtete Liebsgeschichte ist eher enttäuschend. So simpel die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander sind, so überzeichnet bis utopisch wirken manche Elemente des Filmes. Grade als Medienforscher fragt man sich, ob und wie es überhaupt möglich ist, die Quote mittels Telefonkästen zu manipulieren. Der Film lässt viele Fragen unbeantwortet, kann aber doch mit vielen lustigen Szenen und dem interessanten Konzept überzeugen. Wer also neue Denkanstöße über Quoten- und Meinungsbildung sucht, findet sie auf jeden Fall in „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“!

Florentine Zimmermann und Antonia von Richthofen

 

Free Rainer – dein Fernseher lügt, 2007, Hans Weingartner


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