Social Support 2.0 – Selbsthilfegruppen im Internet

Webseite eines AdipositasforumDie Zahl der übergewichtiger und adipöser Menschen nimmt auch in Deutschland jedes Jahr zu. Neben einem Besuch beim Arzt oder dem Kauf von Ratgebern,  gewinnen Online-Selbsthilfegruppen immer mehr an Bedeutung, wenn es Ratsuchende sich zum Thema informieren wollen. Ein Grund wird unter anderem darin vermutet, dass das therapeutische Gesundheitssystem langsam an die Grenzen seiner Belastbarkeit stößt.

Mit Nutzung und Nutzungsmotiven derartiger Online-Selbsthilfegruppen beschäftigt sich Katrin Wasgien in ihrer Masterarbeit. Dabei konzentriert sie sich vor allem auf drei Gesichtspunkte: soziale Unterstützung, Selbstwirksamkeit und gesundheitsbezogene Lebensqualität. Mit einer Befragung von 252 Nutzern derartiger Online-Selbsthilfegruppen mittels eines standardisierten Fragebogens versuchte die Master-Studentin des IfK diese Fragen zu beantworten.

Dass es durchaus wichtig ist, Online-Selbsthilfegruppen als weitere, alternative Behandlungsmöglichkeit besser zu erforschen, bestätigt die zunehmende Relevanz des Themas. Allein die vielen Folgediagnosen jener Patienten, wie Bluthochdruck, Diabetes oder Arthrose, sind immer wieder als wesentliche Faktoren für die Belastung des Gesundheitssystems in der Diskussion. Die Studie von Frau Wasgien gibt zunächst einen umfassenden Überblick über grundlegende Wirkungsmechanismen von Selbsthilfegruppen. Es werden dabei positive Effekte der Plattformen für Adipositaspatienten belegt, so dass diese als mögliche Alternative traditioneller Beratungsformen angesehen werden können. Die Patienten selbst nehmen diese Online-Gruppen als emotionale und informative Unterstützung wahr. Ein Einfluss der Nutzungsintensität auf Motivations- oder Handlungsebene kann demgenüber allerdings nicht bestätigt werden. Katrin Wasgien betont jedoch, dass man zwischen kurzfristigen und langfristigen Wirkungen der Selbsthilfegruppe unterscheiden muss. Ein langfristiger Zusammenhang kann daher nicht ausgeschlossen werden.

Im Resultat plädiert sie dafür, Online-Selbsthilfegruppen fachlich auszubauen und in Therapien zu integrieren. Nötig wären dafür nach Meinung der Autorin nicht nur wissenschaftliche Zuarbeit, sondern auch finanzielle Unterstützung aus dem Gesundheitssektor. Anknüpfender Forschung empfiehlt sie, sich mit der Evaluierung der Inhalte und Möglichkeiten von Online-vermittelter sozialer Unterstützung zu beschäftigen.

Marco Reber

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