KI – da geht noch was!

Plug & Pray (2010) von Jens Schanze ist ein Dokumentarfilm über wissenschaftlichen Fortschritt und seine Implikationen. Wichtige Fragen werden werden aufgeworfen: die nach dem Mensch-Sein ansich, nach seiner Natur und Identität.

plugpray
Er ist auch ein Portrait des Mathematikers, Informatikers und Gesellschaftskritikers Joseph Weizenbaum (1923 – 2008), einer der Pioniere der Künstlichen Intelligenz (KI), der bald nach seiner ersten bahnbrechenden Erfindung ELIZA (1966) begriff, dass es wichtig ist, ethische Grundsätze und wissenschaftliches Streben zu vereinbaren.

Am Ende seines Lebens wieder in seiner Heimatstadt Berlin lebend, schildert der emeritierte Professor des Massachusetts Institute of Technology (MIT) seine Entwicklungen und seinen lebenslangen Kampf für die ethische Betrachtung der KI.

Demgegenüber stehend wird im Film in kurzen Episoden über die Größen des Fachs und ihre Entwicklungen der Stand der KI-Forschung vorgestellt. So hört man am von Google finanzierten Kurzweil Technologies Inc./Boston den Gründer Raymond Kurzweil von unsterblichen Mensch-Maschinen träumen. Am ATR Intelligent Robotics and Communication Laboratories/Kyoto wird eine Roboter-Kopie des entwickelnden Wissenschaftlers vorgestellt; am Italian Institut of Technology/Genua schaut man bei der Entstehung eines Roboter mit dem abstrahierten Körper eines Kindes zu, im Center for Bits and Atoms, MIT wird über Nanotechnolgie informiert und in Deutschland die militärischen Entwicklungen der Universität der Bundeswehr München vorgestellt.

Doch wo soll die Entwicklung selbstfahrender Autos und spielzeughafter Drohnen und Roboter noch hinführen? Ist der Mensch noch Mensch, wenn sein Körper Kleinstzellen aus flüssigen Computern beherbergt? Joseph Weizenbaums Antwort fällt eindeutig aus: er ist Mensch, seine Identität will er von Maschinen nicht erweitert und damit infrage gestellt wissen.

Am Ende steht die Frage nach der ethischen Ausrichtung der Wissenschaft im Raum.  Wem soll die Wissenschaft dienen? Es wird deutlich, dass Persönlichkeiten wie Weizenbaum, die neben allem technischen Intellekt und Fortschrittsglauben moralische Überlegungen mit in ihr Wirken und Forschen einbeziehen, größere Bedeutung haben sollten, aber rar gesät sind.

Christine Elmer

[der Film in der SLUB: -1 AVM 18, Signatur: SW 1]