Kommentar zur Medienkonzentration am Campus

(ifk) Auf der Webseite der Caz heißt es: „Die Dresdner-Studentenzeitungen kooperieren“. Was für ein Euphemismus — die DDV hat die ad rem verkauft. Keiner der ad rem-Redakteure hat sich für den Schritt zur Caz entschieden. Die ad rem — sie ist de facto tot. Am Ende der Fusion bleibt also nur eine Zeitschrift für uns Studenten übrig. Pluralismus ade.
Die zunehmende Medienkonzentration bereitet Kommunikationswissenschaftlern schon länger Sorgen: Vor allem auf lokaler Ebene haben viele Tageszeitungen ein Monopol in ihrem Verbreitungsgebiet; viele lassen sich mit einem überregionalen Teil beliefern. DNN und Leipziger Volkszeitung sind auf den ersten Seiten deckungsgleich, das heißt sie haben einen gemeinsamen Mantel. Kein Pluralismus, keine neuen Perspektiven, kein Streit. Doch ist es genau das, was eine Demokratie braucht: die Kontroverse.

Sicher wäre es anmaßend, aus der Medienkonzentration auf dem Campus Folgen für die Demokratie ableiten zu wollen. Trotzdem hat Caz eine Monopolstellung als einzige regionale, studentische Zeitschrift, die regelmäßig und kostenfrei als Printausgabe am Dresdner Campus erscheint. Und das kann problematisch werden. Wenn wir bis zum letzten Semester noch die Diversität am Campus geschätzt haben, müssen wir uns ab diesem Semester auf eine einzige Zeitschrift verlassen. Worüber die Caz schreibt, wird in Zukunft geredet. Die Caz kann nunmehr an der TU Dresden zumindest die Meinungsbildung aus studentischer Perspektive mehr oder weniger allein beeinflussen. Das erscheint auf den ersten Blick harmlos, weil es hier nur um den TUD Campus geht. Tatsächlich reden wir aber immerhin über knapp 40.000 Studierende. Im größeren Maßstab, vor allem bei überregionalen Medienhäusern, hat dieser Effekt erst recht eine große Bedeutung.

 

Bei den großen deutschen Tageszeitungen ist eine ähnliche Entwicklung zu erkennen. Nur eine typische Beobachtung blieb bei den Studentenzeitschriften aus. Nicht der große Verleger DDV schluckte den kleinen, sondern er stieß das lahmende Pferd ab. Er verkaufte die Titelrechte der ad-rem an die kleinere Media Vista AG. Offenbar rentierte sich diese nicht mehr, oder die Prioritäten der DDV haben sich geändert. So entdeckte man in ihrem Portfolio nun mehr zeitungs-untypische Angebote, wie zum Beispiel ein Taxi-Service oder Briefmarken. Ob jetzt die gemeinsame Campus-Zeitung demnächst Kaffeetassen oder Wandkalender verkauft, bleibt noch abzuwarten.

 

Was die talentierten Studierenden und angehenden Jung-Redakteure dabei lernen können? Dass Geld eben doch alles ist in einer Welt, in der Journalismus so offensichtlich weniger ein Beruf für kluge Köpfe, kreative Schreiber, aufmerksame Detektive und kritische Mitmenschen ist. Mehr noch ist er eine neue Wirtschaftsbranche, die bisweilen eher Schlagzeilen verkauft, anstatt Meinung zu machen. Aus dem Primat der Information ist das Primat des Geldes geworden. 
Vor allem aber haben die jungen Journalisten gelernt, dass man sich nicht alles gefallen lassen muss. Campusrauschen.de heißt das neue Projekt – ein Online-Blog, mit dem sie der journalistischen Einöde auf dem Campus und den wirtschaftsfokussierten Medienhäusern den Kampf ansagen wollen. Was bleibt ist eine neue Seite mit frischem, modernem, minimalistischem Design und interessanten, unaufdringlichen Schlagzeilen und Beiträgen. Und natürlich der bittere Nachgeschmack für die Ex-Eigentümer, die in Sachen Innovation und Zukunftsorientierung in einer sterbenden Branche besser mal die junge Generation um Rat und Ideen gefragt hätten.

Den Artikel zum Kommentar könnt Ihr hier nachlesen: Aus zwei mach eins