Aus zwei mach’ eins

(mla) Fusion. Das klingt, zumindest im Winter 2016, nach Rewe und Kaisers Tengelmann, nach Sigmar Gabriel und Ministererlaubnis. Stimmt auch. Zumindest in studentischen Ohren sollte es aber auch klingen nach: Campusmedien, Caz, ad rem. Denn während die (glücklichen) Studierenden ihre letzten Sonnenstunden im Süden genossen und die (weniger glücklichen) über den letzten Hausarbeiten brüteten, erlebte der sächsische Hochschulzeitungs-Markt im September eine entscheidende Veränderung: Die ad rem fusionierte mit der Caz. Der bisherige Herausgeber, die DDV Mediengruppe, verkaufte die ad rem-Titelrechte an die ebenfalls in Dresden ansässige MediaVista KG – die Herausgeberin der Caz. Ein Verkauf an die Konkurrenz also. Trotzdem: Die ad rem ist im Hause MediaVista keine Unbekannte: Nach ihrer Gründung 1989 gehörte sie schon einmal der in Dresden ansässigen PR- und Medien-Agentur, wurde aber 2001 an die DDV verkauft. „Wie schön” möchte man sagen: Ein Kreis schließt sich!

 

Nur war es eben nicht ihre romantische Veranlagung, die die Herausgeber zum Verkauf bewog, sondern ökonomische Fakten. Denn die ad rem war eine werbefinanzierte Zeitung – und blieb als solche nicht verschont von der Anzeigenkrise, mit der sich auch FAZ, Süddeutsche und Co. plagen. Und so deutete sich schon ab 2014 an, dass die Zeitung sich in einer nicht gerade komfortablen Lage befand: Nicht nur, dass vereinzelt Ausgaben gestrichen wurden, der Verlag stellte im Jahr darauf zudem die Erscheinungsweise um. Die ad rem erschien nun alle 14 Tage statt wöchentlich. „Das macht man ja nicht, wenn alles in Ordnung ist“, bemerkt dazu die ehemalige ad rem-Chefredakteurin Nadine Faust.

 

Vielleicht fiel sie also nicht aus allen Wolken, als sie am 14.09. erfuhr: Die Caz und die ad rem werden von nun an – so die offizielle Formulierung – „kooperieren“. Dann ging alles ganz schnell, nicht einmal 14 Tage später erschien mit einer Auflage von 18.000 Exemplaren bereits die erste „gemeinsame“ Auflage von Ausgabe der beiden Zeitungen. 
Kooperation? Gemeinsam? Davon will Faust nichts wissen. Zwar habe man ihr und allen anderen Redakteuren das Angebot gemacht, individuell bei der Caz vorstellig zu werden, eine Übernahme-Garantie habe es aber zu keiner Zeit gegeben. Sie wäre wohl auch gar nicht nötig gewesen. Keiner der alten ad rem-Redakteure entschied sich für den Gang zur Caz – zu zahlreich sind die Unterschiede zwischen beiden Zeitungen, zu groß die Skepsis, die man der Konkurrenz entgegenbringt. Nur: Was machen Redakteure ohne Zeitung? Ganz einfach: Sie gründen etwas Neues. Keinen Monat dauerte es, bis einige ad rem-Redakteure wieder zusammen saßen, um einem neuen Projekt die Kinderschuhe anzuziehen. Ein Blog für Dresdner Studierende soll es werden – mehr gibt Faust vorerst nicht preis. Eines aber ist klar: „Wir lassen uns nicht unterkriegen!”


Unsere Redakteure haben das Thema auch kritisch kommentiert. Den Beitrag könnt Ihr hier nachlesen: Kommentar

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