Tagsüber hui, abends pfui – Twitter und Trump

Am Tag twittert Trump nett, in der Nacht nicht. Ein Daten-Analyst ist der Sache auf den Grund gegangen. Die zwei Gesichter von Donald Trumps Twitter-Account: Am Tag ist der Tonfall seiner Tweets recht bedächtig. Er weist auf seine Veranstaltungen hin, verwendet Hashtags und Bilder, bedankt sich bei seinen Anhängern, nennt sogar seine Gegnerin bei ihrem vollen Namen. Doch in den späten Abend- und frühen Morgenstunden wird aus „Hillary Clinton“ plötzlich „crooked Hillary“, ist plötzlich alles „bad“ und „crazy“. Donald Trump – ein Chamäleon? Diese Frage stellte sich auch der Daten-Analyst David Robinson, der für die Programmierer-Plattform Stack Overflow arbeitet. Er schaute sich die Tweets näher an und stellte fest: Während Mitarbeiter Trumps die Tweets bis etwa 20 Uhr von einem iPhone absetzen, wird der President-Elect danach bis circa 8 Uhr am Morgen selbst tätig – und zwar mit einem Android-Gerät. Nicht nur, dass die iPhone-Tweets mit 38 mal höherer Wahrscheinlichkeit ein Bild oder Video enthalten. Auch die sprachlichen Unterschiede sind frappierend: Die häufigsten Worte der iPhone-Tweets sind „#trump2016“, „#makeamericagreatagain“, „join“. Die Top drei der Android-Tweets hingegen: „badly“, „weak“, „crazy“. Da verwundert es kaum, dass letztere laut Robinson 80 Prozent mehr Wörter enthalten, die Ärger, Überdruss oder andere negative Emotionen ausdrücken. Doch diese Tweets bleiben in der Minderheit. Ihr Anteil an Trumps Twitter-Aktivitäten beträgt lediglich ein Viertel, wie Robinson herausfand. Den Rest übernimmt sein Wahlkampfteam. Keine Frage: Die Social-Media-Plattform ist zu einem wichtigen Instrument der Wahlkampfkommunikation geworden. „Social media have emerged as an important weapon in the campaign messaging arsenal, with Twitter taking center stage.” Das fanden die Wissenschaftler Justin H. Gross und Kaylee T.Johnson der University of Massachusetts in ihrer 2016 veröffentlichten Studie „Twitter Taunts and Tirades: Negative Campaigning in the Age of Trump“ heraus. Sie untersuchten die Verwendung von Twitter im Vorwahlkampf der US-Republikaner: Mit dessen Fortschreiten twitterten die Kandidaten nicht nur mehr, sondern auch negativer. Ursächlich hierfür sei unter anderem die 140 Zeichen-Grenze. Wer nur ein oder zwei Sätze hat, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, der wird seinem Tweet nicht nur möglichst viel Neuigkeit verleihen, sondern eben auch Negativität. So wie Trump: Er war nicht nur derjenige Kandidat, der die meisten negativen Tweets postete (und erhielt). Zudem wetterte er auch besonders häufig gegen seine Mitbewerber – auch, wenn die in den Umfragen weit hinter ihm lagen. Geschadet hat es Trump, wie die Wahlergebnisse am 8. November verdeutlichten, offenbar nicht.


Robinson, D. (2016). Text analysis of Trump’s tweets confirms he writes only the (angrier) Android half. Verfügbar unter: http://varianceexplained.org/r/trump-tweets/” [30.11.2016]. Gross, J. H. & Johnson, K. T. (2016). Twitter Taunts and Tirades: Negative Campaigning in the Age of Trump. Political Science & Poltics, 49(4), 748-754. Weitere Informationen zum Thema: Bericht des Tagesspiegel vom 02.11.2016: (http://www.tagesspiegel.de/politik/6-tage-bis-zur-us-wahl-woran-man-trumps-tweets-erkennt/14780026.html)