Guten Tag, wir machen eine Umfrage zumThema…

Wer die Methoden-Vorlesung nicht im Urlaub oder Bett verbracht hat, der weiß: CATI-Umfragen sind computergestützte Telefoninterviews. Was die meisten nicht wissen ist, dass auch die TU Dresden ein CATI-Labor hat. Das Labor, in dem hauptsächlich Studenten arbeiten, befindet sich im ersten Stock des Bürogebäudes am Zelleschen Weg. In einem großen Raum sitzen die Interviewer, abgeschirmt durch schalldichte Aufsteller, vor dem Computer und führen die Umfragen durch. Leises Gemurmel im Raum zeugt von der Arbeit der Studenten. Jeder sitzt mit Head-Set ausgerüstet an einem Computer. Schritt für Schritt rufen sie mittels zufällig generierter Telefonnummern Privathaushalte an und stellen denjenigem, der den Hörer abgenommen hat, Fragen zu seiner Meinung oder seinen Handlungen. Nur etwa jeder fünfte Angerufene nimmt sich die Zeit zur Beantwortung und wimmelt nicht kurz angebunden ab. Die Fragen sind genau vorformuliert und werden nur noch vom Bildschirm abgelesen. Begrüßung und Beantwortung der Fragen von der anderen Seite des Hörers erfolgt individuell von den Studenten. Tom Funke, Master-Student an der TU Dresden, telefoniert bereits seit 2012 im CATI-Labor und beschreibt die Vorzüge des Jobs: „Es ist eine interessante Tätigkeit, weil man immer wieder verschiedene Meinungen zu unterschiedlichen Themen hört.“ Unangenehm sei lediglich, dass potentielle Befragte häufig mitten im Satz auflegen, ohne dass der Interviewer sein Anliegen vortragen könne. Oft sei jedoch mit etwas Menschenkenntnis abschätzbar, ob man noch Chancen hat, den Gegenüber am Telefon vom Gespräch zu überzeugen. „Wenn jemand unsicher ist, kann man ihn oder sie mit verschiedenen Gesprächstechniken auch davon überzeugen, bei der Umfrage mitzumachen“, so Funke. Oft reiche schon der Hinweis, dass es sich bei den Befragungen um wissenschaftliche Umfragen handelt. Wenn es doch mal Probleme mit der alten Technik oder einem Interviewten gibt, hilft der Administrator, der mit einem guten Blick über das ganze Labor sitzt, weiter.

Das Labor ist eine Einrichtung des Methodenzentrums, ein Zusammenschluss der quantitativ forschenden Lehrstühle der Sozialwissenschaften. Es dient der Schärfung des Methodenprofils und wird zu Lehrzwecken im Rahmen von Seminaren genutzt. Darüber hinaus wird im CATI-Labor wissenschaftlich geforscht. Die meisten durchgeführten Umfragen werden von den Instituten für Politikwissenschaft, Soziologie oder Kommunikationswissenschaft entwickelt, ausgearbeitet und in Auftrag gegeben. Etwa acht Projekte, die jeweils zwei bis drei Wochen dauern können, werden im Jahr durchgeführt. Dabei spielen nicht nur bundesweite Forschungsprojekte, sondern auch lokale Umfragen innerhalb der Dresdner Bevölkerung seit vielen Jahren eine Rolle im CATI-Labor. Die Spannweite der Themen reicht dabei von alltäglichen Fragen, welches zum Beispiel der beste Weihnachtsmarkt sei, bis hin zur Beurteilung der Wasserqualität in Dresden. „Wir produzieren seit 1995 in Zusammenarbeit mit der DNN das DNN-Barometer, in dem wir Einstellungen und Meinungen zu Baumaßnahmen in Dresden, Lokalwahlen oder auch der Wahrnehmung von Politikern erfragen“, erläutert Anna-Maria Schielicke, wissenschaftliche Mitarbeiterin am IfK. Ein Klassiker sei zum Beispiel die Waldschlösschenbrücke gewesen, die durch das DNN-Barometer lange begleitet wurde. Die Ergebnisse würden dann in der DNN publiziert oder für Forschungsprojekte genutzt. Seit Juli 2015 kommt auch tagsüber Leben in das Forschungslabor: Die Mitarbeiter der Studienberatung wurden zu Stoßzeiten Anfang des Semesters durch verzweifelte Studierende oder angehende Studierende hoffnungslos mit Telefonaten überschwemmt. Das hat sich jetzt geändert. Tagsüber wird das CATI-Labor zusätzlich als Service-Hotline genutzt, die der Studienberatung unter die Arme greift. Geschulte Telefonisten nehmen sich der Fragen der Studenten an und können diese auch weitervermitteln. Es ist sogar ein zusätzliches Gebäude zum Ausbau angedacht. | Johanna Siegmann


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