Wissenschaftskommunikation wird nicht nur als Fach immer wichtiger werden

conny_final Seit dem Wintersemester 2015/2016 vertritt Cornelia Brantner eine befristete Professur am IfK. Die promovierte Wissenschaftlerin stammt aus Österreich und wir haben Sie im Interview zu ihrem Weg zur Wissenschaft, dem Vorlesungsthema Wissenschaftskommunikation und ihrer Meinung zu Dresden befragt.

Frau Brantner, Sie sind seit dem Wintersemester 2015/2016 Professorin für Wissenschaftskommunikation am IfK. Was hat Sie nach Dresden geführt?
Ich wurde letztes Jahr im März von Professor Hagen angerufen, ob ich Interesse habe, die Vertretungsprofessur für ein Jahr zu übernehmen und habe natürlich gleich voller Freude zugesagt. Vorher war ich bis auf einen Forschungsaufenthalt in Pittsburg in Wien, wo ich auch studiert und meine bisherige akademische Laufbahn verbracht habe. Seit 2003 habe ich auch in Wien am Institut für Kommunikations- und Publizistikwissenschaft gelehrt.

Was hat Sie zur Kommunikationswissenschaftgebracht?

Das ist eine längere Geschichte. Ich wollte eigentlich schon während meiner Matura-Zeit (das österreichische Pendant zum Abitur) Kommunikationswissenschaft studieren. Zum einen, weil es mich wirklich interessiert hat und zum anderen, weil ich – wie soviele andere auch – irgendwas mit Medien machen wollte. Ich habe mich dann aber zunächst für ein Studium der Rechtswissenschaften entschlossen. Nach drei Semestern habe ich gemerkt, dass das doch nicht ganz meinen Interessen entspricht und bin nach Wien gegangen und habe dann dort angefangen Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Fächerkombination mit Politikwissenschaft und Psychologie zu studieren.

Sie vertreten seit dem WS 2015/2016 eine befristete Professur am IfK und legen dabei einen Schwerpunkt auf Wissenschaftskommunikation. Ist das ein Bereich in dem Sie auch selber forschen?
Für Wissenschaftskommunikation interessiere ich mich schon länger und habe auch schon eine kleinere Studie dazu durchgeführt, die auch in einem Artikel veröffentlicht wurde. Es ging dabei um die Berichterstattung über Kommunikationswissenschaft im deutschsprachigen Raum und wir haben jeweils ein österreichisches, ein deutsches und ein schweizerisches Qualitätsmedium verglichen. Vor dem theoretischen Hintergrund der Medialisierung wurde nicht nur analysiert, wieviel und in welchem Umfang über das Fach berichtet wird, sondern auch, ob sich die Art und Weise der Berichterstattung geändert hat oder ob beispielsweise mit steigendem Umfang der Beiträge auch vermehrt entsprechende Wissenschaftler als Experten zu Wort kommen. Während meiner Zeit in Wien hat das Thema eine Rolle gespielt, als ich für Masterstudierende ein Seminar zum Thema gehalten habe. Dort haben wir gemeinsam mit den Studierenden die Wissenschaftsberichterstattung über alle Disziplinen in Österreich und Deutschland im Zeitverlauf untersucht, um zu prüfen, ob sich auch in diesem Zusammenhang Medialisierungstendenzen bemerkbar machen. Ansonsten sind meine Forschungsbereiche visuelle Kommunikationsforschung, politische Kommunikation, soziale Bewegungen und soziale Medien.

Wie würden Sie die Bedeutung dieser Fachrichtung heute und für die Zukunft bewerten?
Ich denke aus verschiedenen Gründen wird die Wissenschaftskommunikation, und zwar nicht nur als Fach, immer wichtiger werden. Das sieht man zum Beispiel daran, dass die Universitäten eigene Stellen für Öffentlichkeitsarbeiten haben oder mehr Geld und Personal in diese Einrichtungen stecken. Es gibt auch mehr Professuren für Wissenschaftskommunikation im deutschsprachigen Raum, ein Trend den man in Großbritannien und den USA beobachten kann. dort gibt es schon länger entsprechende Lehrstühle. Die Bedeutung des Faches steigt aber nicht zuletzt auch aufgrund der zunehmenden Onlinekommunikation von und zwischen Wissenschaftlern. Es dreht sich also nicht mehr nur um die institutionelle Wissenschaftskommunikation, die von den Universitäten organisiert wird, sondern auch um die Kommunikationsarbeit von Wissenschaftlern selber. Diese findet nicht mehr nur auf traditionellen Wegen, sondern auch verstärkt in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter oder in Blogs statt. Und auch für das wissenschaftliche Publizieren sind das Internet und soziale Medien in den letzten Jahren immer wichtiger geworden.

Sehen Sie den Bedeutungswandel auch am Interesse der Studenten?
Das ist eine schwierige Frage, weil ich keine Vergleichswerte habe und ich habe bisher auch noch keine Abschlußarbeiten zum Thema gelesen. Aber die Arbeiten für das aktuelle Semester bekommen wir ja jetzt erst und dann wird sich das zeigen. Aber was man insgesamt sieht, generell innerhalb der Kommunikationswissenschaft ist, dass das Thema merklich verstärkt bearbeitet wird. Das sieht man zum Beispiel daran, dass es in der DGPuK inzwischen eine Ad-hoc-Gruppe für Wissenschaftskommunikation gibt, dass die Zahl der Publikationen steigt und das verschiedene Felder, sowohl im Bereich der internen als auch der externen Wissenschaftskommunikation sichtbar werden. Zudem zeigt sich, dass auch unterschiedlichste theoretische Zugänge, von Makro- über Meso- bis hin zu Mikrotheorien zum Tragen kommen.

„Wir wissen ja auch wie die Medien funktionieren und der Nachrichtenwert liegt eben auch in der Tatsache, dass PEGIDA immer noch auf die Straße geht.”

Nun zu einem anderen Thema. Sie leben seit einem halben Jahr in Dresden. Wie nehmen Sie Ihr neues Umfeld war, insbesondere im Licht der aktuellen Diskussionen?
Ich bin ja im September nach Dresden gekommen als das Thema PEGIDA schon aktuell war. Leider ist es immer noch sehr aktuell und geht wahrscheinlich den Dresdnern auch schon auf die Nerven, denn egal wo man hinkommt: du sagst „Dresden“ – dein Gegenüber sagt „PEGIDA“. Und das hat auch einen Einfluss darauf, wie sehr man sich in einer Stadt oder einer Umgebung wohlfühlt, insbesondere dann, wenn man rechtes Gedankengut nicht teilt. Andererseits erlebe ich im Umfeld der Kollegen auf Arbeit das Gegenteil davon, insbesondere wenn man sieht, wie intensiv sich einige in der Flüchtlingsbetreuung engagieren, in dem Sie zum Beispiel Deutsch unterrichten oder als Paten den Geflüchteten im Alltag helfen. Es ist eben nicht nur PEGIDA in Dresden. Aber wir wissen ja auch, wie die Medien funktionieren und der Nachrichtenwert liegt eben auch in der Tatsache, dass PEGIDA immer noch auf die Straße geht. Ich habe das nicht empirisch geprüft, aber das, was auch überregional und international über Dresden berichtet wird, transportiert ein negatives Image. Aber es gibt auch schöne Seiten an Dresden. Ich finde die Wohnnachbarschaft in der Neustadt sehr schön und belebt. Die ganzen Lokale und Geschäfte erinnern mich vom Flair her an das Schanzenviertel in Hamburg – ich hoffe die Dresdner sind jetzt nicht beleidigt (lacht) – und ich bin sicher, dass das im Sommer, wenn die Kälte weg ist, noch viel netter wird.

Haben Sie schon Lieblingsplätze in Dresden?
Ich mag den Platz vor Katys Garage sehr gern, besonders den großen Garten dort. Am Wochende war ich auch schon im Club selber und die Musik hat mir auch sehr gut gefallen, besonders weil sie etwas alternativer ist und auch ältere Sachen gespielt werden. Aber insgesamt habe ich noch nicht wirklich viel gesehen von Dresden, außer den klassischen Touristenpfaden, also besonders die einschlägigen Museen wie Alte und Neue Meister. Die Sächsische Schweiz finde ich auch sehr schön und ich war immerhin schon zweimal im Zoo (lacht). Am besten gefällt es mir aber wirklich in der äußeren Neustadt, besonders weil es auch überall kleine Cafés gibt. Ich komme ja aus Wien, wo es eine lange Kaffeehaustradition gibt, und solche „urigen Beiseln“, wie man das in Österreich nennt, gibt es auch hier – einer der Gründe, warum mir die Neustadt so gut gefällt.

Welche Pläne haben Sie für den Sommer und darüber hinaus?
Ich möchte auf jeden Fall einmal zu den Filmnächten am Elbufer gehen und freue mich außerdem schon sehr auf die Bunte Republik Neustadt. Bisher war ich auch nur einmal im Schauspielhaus und hoffe, dass ich den nächsten Monaten noch einmal Zeit finde, ins Theater zu gehen. Darüber hinaus bewerbe ich mich zur Zeit auf andere Stellen für die Zeit nach meiner Professur in Dresden. Außerdem schreibe ich einen Forschungsantrag und hoffe natürlich, dass ich dann im Herbst direkt an meine Arbeit hier anschließen kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

Cornelia Brantner, Jg. 1976, studierte in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Kombination mit Politikwissenschaft und Psychologie. Von 2004 bis 2009 war sie dort als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig, im Jahr 2007 promovierte sie zum Thema „Medien und EU – Europäisierung der österreichischen Öffentlichkeit“.


 

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