Stunde Null

Eine Ausstellung zur Entstehung des Zeitungswesens nach dem Naziregime

Foto: F. Ehlert
Foto: F. Ehlert

Seit dem 23.April ist die neue Ausstellung „Stunde Null?“ im Buchmuseum der Sächsischen Landesbibliothek -Staats und Universitätsbibliothek (SLUB) eröffnet. Thematisch dreht sich alles um den Wiederaufbau Deutschlands und speziell Dresdens, mit besonderem Fokus auf dem Vergleich von Tageszeitungen vor und nach der Befreiung durch die Alliierten am 8.Mai 1945. Vor der Eröffnung, am 23. August, hielten der Leiter der SLUB Prof. Dr. Thomas Bürger, Politikwissenschaftsprofessor Professor Werner J. Patzelt und der Leiter der Ausstellung Johannes Wolf, einen Vortrag. Statt Befreiung sprach Patzelt von einer Besiegung Deutschlands, da für viele das eigene politische System besiegt wurde und die eigene Menschlichkeit und die der Deutschen allgemein, angesichts der Gräueltaten unter den Nazis, angezweifelt wurde. Prof. Dr. Thomas Bürger konnte dagegen ein positiveres und sehr poetisches Bild vermitteln. Dieses bezieht sich aber auch nicht auf die deutsche Geschichte, sondern auf seine große Leidenschaft , das geschriebene Wort. Wie er im Vortrag erwähnte, sind Zeitungen für ihn ein Ausdruck der Zeitgeschichte, sowie ein Fenster in die Vergangenheit, die illustrieren, was Geschichtsbücher nur beschreiben können.

Einen Blick in dieses Fenster kann nun jeder bis zum 28.August werfen. Die Ausstellungen besteht aus Biographien zu wichtigen Personen nach der Kapitulation Deutschlands, einem Film, der den Einmarsch der Roten Armee zeigt, Kommentaren und Erklärungen zu einzelnen Artikeln und dem Hauptteil, den Zeitungsartikeln, die man aufgrund ihrer fragilen Struktur aber nicht selbst durchblättern kann.

Insbesonder für Kommunikationswissenschaftler ist hierbei der Vergleich zwischen Tageszeitungen kurz vor der deutschen Kapitulation und nach dem Sieg der Alliierten interessant. Stellvertretend für die Zeit vor der Kapitulation steht die Tageszeitung „Der Freiheitskämpfer“, welche bis zum Einrücken der Roten Armee in Dresden noch versuchte, die Deutschen für einen letzten Widerstand zu mobilisieren. Sehr interessant: In einer der Zeitungen ist eine Anleitung mit Zeichnungen abgedruckt die zeigt, wie man eine Panzerfaust bedient und zusammenbaut. Stellvertretend für die Tageszeitungen nach der deutschen Kapitulation steht „ Die Tageszeitung für die deutsche Bevölkerung“. Diese berichtete über Neuigkeiten aus der Sowjetunion, Lebensmittelrationen und den Wiederaufbau Dresdens. Außerdem interessant: Nach Kriegsende gab es tatsächlich einen Fettmangel, der von den Journalisten beklagt wurde. Witzig, betrachtet man den heute bestehenden Druck fit und gesund zu sein.

Besonders beeindruckend an der Ausstellung sind die Geschichten über Gebäude die heute noch bestehen. Dazu gehört die Schauburg, die am 15.Oktober 1927 eröffnet wurde und noch heute Bestand hat. Ebenfalls erwähnenswert sind Gebäude wie das Kraftwerk Mitte, was damals ganz Dresden mit Strom versorgte und heute wahrscheinlich so viel Strom verbraucht wie halb Dresden. Diese Veränderungen am Stadtbild Dresdens sind äußerst spannend zu sehen und definitiv ein Grund für einen Besuch. Wem das noch nicht reicht, der kann sich auch die Zeitungsartikel über historische Ereignisse wie zum Beispiel die Deklaration der deutschen Niederlage oder über die erste Berichterstattung von der Errichtung der Besatzungszonen durchlesen. Eine alles in allem sehr runde und gut mediatisierte Ausstellung.

Felix Ehlert

Die Ausstellung Stunde Null ist vom 23.April bis zum 28.August 2015 von 10-18 Uhr geöffnet.

Öffentliche Führungen finden am 6. Mai, 3. Juni, 1. Juli und 5. August jeweils 17 Uhr statt.

Weitere Informationen: > www.slub-dresden.de