But first, let us take a selfie

Egal ob Hollywoodstars, Musiker, Astronauten oder ganz normale junge Leute. Das Knipsen von Selfies wird immer populärer. Dabei kommen auch mehr und mehr Hilfsmittel zum Einsatz, wie beispielweise der (von den einen geliebte – von den anderen gehasste) Selfiestick oder gar Drohnen.
Selfie bedeutet zunächst nichts anderes, als ein mit der Digitalkamera des Smartphones oder Tablets, meist spontan aufgenommenes Selbstporträt. Dabei ist es irrelevant, ob sich auf dem Selfie nur eine Person oder eine Gruppe von Menschen porträtiert. Im Jahr 2013 war es dann soweit: „Selfie“ wurde zum englischen Wort des Jahres gewählt. Doch was ist dran am Selfie-kult?

 

Unser Autor Felix Hormig probiert sich auch praktisch zum Thema Selfie aus. Foto: Florentine Zimmermann
Unser Autor Felix Hormig probiert sich auch praktisch zum Thema Selfie aus. Foto: Florentine Zimmermann

Das Bedürfnis des Menschen nach Selbstporträts ist zunächst offensichtlich kein Resultat der Digitalisierung. Albrecht Dürer verewigte sich bereits im 1600 Jahrhundert in zahlreichen Bildern selbst, jedoch war dabei der Aufwand damals ungleich größer. Den Grundstein für das moderne Selfie legte im 19. Jahrhundert der französische Maler Louis Daguerre. Er entwickelte das erste kommerzielle Fotografie-Verfahren, den Daguerreotypie, und ist damit in gewisser Hinsicht der Urgroßvater des Selfies.
Das erste fotografische Selbstporträts wurde dann im Jahr 1839 von Robert Cornelius geschossen, wenn man so will die Geburtsstunde des Selfies. Die Erfindung des Smartphones bescherte dem digitalen Selbstporträt dann in kürzester Zeit erstaunliche Popularität und sorgte dafür, dass auch bei der Oskar Verleihung, im All oder gar im weißen Haus Selfies geschossen werden. Häufig wird das Ergebnis dann in verschiedenen Sozialen Netzwerken geteilt und so der Öffentlichkeit, Freunden oder Verwandten präsentiert.
Das inflationäre ‚Geknipse‘ finden aber bei weitem nicht alle gleich gut. So ergab 2015 eine Online-Befragung, bei der 589 Personen von ‚Tomorrow Focus Media‘ befragt wurden, dass immerhin ein Drittel der Befragten die Modeerscheinung Selfie eher anstrengend finden. Eine weitere Erhebung, diesmal von der ‚Telekom Austria Group‘ in Österreich, ergab, dass das Selfie die „nervigste“ Art von Bildern in den Sozialen Netzwerken sei. Reichlich die Hälfte der Befragten wählte eben jenes an die erste Position, gefolgt von Essensporträts und Partyfotos.

Inzwischen kommt man beim Thema Selfie jedoch auch nicht mehr daran vorbei, auf die absurden Unfälle zu verweisen, die beim Fotografieren der Selbstporträts passieren. So berichtet das US-Portal Mashable, dass 2015 in Folge von Selfies mehr Menschen ums Leben gekommen sind, als durch Haiangriffe. Während die einen rückwärts die Treppe runterstürzen, würden andere von Zügen erfasst. Die genutzte Datenbasis des Portals war zwar nicht sehr umfangreich, dennoch ist das Ergebnis verblüffend. Der Versuch immer außergewöhnlichere Fotos zu knipsen kann also ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen nach sich ziehen. Trotzdem -oder gerade deswegen – hört der Hype um das Selfie nicht auf.

Es stellt sich die Frage, wieso das Selbstporträt eine derart magische Wirkung auf uns hat. Das Zeit Magazin schrieb dazu in einem Artikel:

Es ist nicht für die Nachwelt geschaffen, sondern für das Hier und Jetzt. Es ruft: Ich bin jetzt hier! Ich bin dabei! Schaut mich an! Ich bin nicht alleine! Wer ein Selfie postet, ist gleichzeitig da – und überall. (10.Juli.2014)

Das Selfie also als Anker in der Gegenwart? Eine fast schon romantische Vorstellung. Vielleicht steht aber auch ein etwas trivialerer Gedanke dahinter. Zweifellos funktioniert das Selfie vor allem wegen seiner Einfachheit. Wenige Handgriffe genügen, um das Selbstporträt herzustellen, kein anspruchsvoller und ermüdend komplexer Prozess wie noch vor 150 Jahren. Wenn man so will, nicht zuletzt ein Sinnbild für die Beschleunigung der Gesellschaft. Jedoch ist die Einfachheit noch keine hinreichende Begründung für die wachsende Popularität, sondern bestenfalls ein Indikator dafür.

Bei der Befragung durch die ‚Telekom Austria Group‘ gaben außerdem 70 Prozent der Teilnehmer an, Fotos zur Selbstdarstellung im Internet hochzuladen. Das Selfie also aufgrund des Wunsches nach Aufmerksamkeit, dem Werben nach Beachtung? Kein allzu abwegiger Gedanke, macht das Werben um die Aufmerksamkeit unserer Mitmenschen evolutionstheoretisch durchaus Sinn und kann uns deshalb nicht wirklich überraschen. Jedoch würde man es sich zu einfach machen, den Selfiekult allein auf einen Evolutionären Trieb zu beschränken. Zumindest eins wissen wir dafür mit ziemlicher Sicherheit. Auch in Zukunft wird weiterhin gelten „But first, let us take a selfie“.

Felix Hormig

Mashable: „More people have died from selfies than shark attacks this year

Zeit Magazin: „Ich bin hier, also bin ich

Umfrage zu „Was ist Deine Meinung zu den sogenannten Selfies?“ auf Statista.de

Umfrage zu „Welche Bilder in sozialen Netzwerken nerven am meisten?“ auf Statista.de


 

 

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