Immer die gleichen Gesichter?

Inhaltsanalyse zur Personalisierung politischer Kommunikation in deutschen Polit-Talks

 

Politische Talkshows zählen zu den populärsten Formen moderner Politikvermittlung. Einfach und unterhaltsam veranschaulichen sie den Zuschauern komplexe politische Prozesse. Kritiker sehen in ihrer starken Verkürzung politischer Realität und der Reduzierung auf Einzelpersonen eine Gefahr für demokratische Meinungsbildungsprozesse. Empirische Daten zum Personalisierungsgrad politischer Talkshows fehlen hingegen.

Meine Bachelorarbeit sollte diese Forschungslücke schließen. Eine vergleichende Inhaltsanalyse der Gästelisten der politischen Talkshows „Anne Will“, „Maybrit Illner“ und „Hart aber fair“ bestätigte die Personalisierung politischer Kommunikation in den untersuchten Sendereihen. Die meisten der 177 Politikergäste traten mehrmals auf. Die „Top 10“, das sind Politiker mit den meisten Teilnahmen, vereinten ein Fünftel aller Gastauftritte auf sich. Sie kamen damit im Durchschnitt auf neun Auftritte. Zum Vergleich: Im Gesamtmittel nahm jeder Politiker nur drei Mal teil.

In den deutschen Polit-Talks sind manche Politiker auffallend häufig zu Gast. Guido Westerwelle und Gregor Gysi zum Beispiel, hier bei „Hart aber fair“ Foto: WDR
In den deutschen Polit-Talks sind manche Politiker auffallend häufig zu Gast. Guido Westerwelle und Gregor Gysi zum Beispiel, hier bei „Hart aber fair“ Foto: WDR

Die politischen Talk-Ensembles sind zudem hochgradig hierarchisiert. Mehr als die Hälfte der Politgäste waren führende Vertreter des Staates bzw. ihrer Parteien. In den „Top 10“ sind neun Spitzenpolitiker, darunter der neue Bundesaußenminister Guido Westerwelle oder der Linke-Chef Oskar Lafontaine. In allen Sendungen findet sich ein Parteien-Proporz hinsichtlich der Machtverhältnisse im Bundestag, wobei Mitglieder von Regierungsparteien auf Bundesebene deutlich öfter zum Zug kamen.

Robert Trosse