Two Tales of Marwa El-Sherbini?

IfK vergleicht die Berichterstattung deutscher und ägyptischer Tageszeitungen

Als im Juli dieses Jahres Marwa El-Sherbini nach einer Zeugenaussage im Dresdner Landgericht vom Russlanddeutschen Alex W. erstochen wurde, schien ein schwelender Konflikt zwischen dem Westen und der islamischen Welt wieder hochzukochen. Die unmittelbaren Reaktionen in den verschiedenen Kulturen waren höchst unterschiedlich. Hier stilles Gedenken, dort wütende Proteste. Aber erzählten die Medien tatsächlich zwei verschiedene Versionen derselben Geschichte?

Um diese Frage zu beantworten, analysierten wir mit Hilfe einer Inhaltsanalyse die unmittelbare Berichterstattung in Ägypten und in Deutschland. Tatsächlich zeigten sich zwei unterschiedliche Rahmungen (Frames) des Vorgangs. Ein Frame verweist auf einen größeren religiösen Kontext, nimmt strikte Wertungen vor, baut das Opfer als Märtyrerin für den Islam auf und grenzt die Kulturkreise (Islam/Westen) klar gegeneinander ab. Im zweiten Frame fehlen explizite Wertungen, die Berichterstattung ist relativ neutral, es fehlen Abgrenzungen und Symbolisierungen des Opfers. Der erste Frame der Berichterstattung ist geeignet, den schwelenden Konflikt weiter anzuheizen. Der zweite Frame vermittelt zwar Neutralität und eine Einigung der politischen Eliten, welche jedoch durch den ersten, in die Bevölkerung wirkenden Frame eventuell neutralisiert wird. Entgegen ersten Annahmen verläuft nämlich die Grenze nicht nur zwischen deutschen und ägyptischen Tageszeitungen, sondern zum Teil auch zwischen den beiden ägyptischen Tageszeitungen selbst.

 

     Cornelia Walter & Anna-Maria Schielicke