Sportjournalismus im Zwielicht – Eine quantitative Inhaltsanalyse zur Boulevardisierung der Sportberichterstattung

Die Kritik an der Sportberichterstattung ist nicht neu. Sahen sich die Medien lange dem Vorwurf ausgesetzt, sie betrieben eine einfallslose Ergebnisberichterstattung, wird inzwischen kritisiert, dass der Sport in den Medien zur reinen Unterhaltungsware verkommt. Diskutiert wird diese Entwicklung unter dem Stichwort der Boulevardisierung. Allerdings gibt es nur wenige Untersuchungen, die diesen Prozess auch empirisch belegen.  Ausgehend von dieser Beobachtung wurde mittels einer quantitativen Inhaltsanalyse die überregionale Sportberichterstattung der FAZ und der Sächsischen Zeitung in den Jahren 1993, 1999, 2007 untersucht.

Sascha Vogelsang, Foto: privat
Sascha Vogelsang, Foto: privat

Die Ergebnisse zeigen, dass es in den vergangenen Jahren vor allem zu einer Emotionalisierung der Sportberichter stattung gekommen ist. Beide Zeitungen verwiesen im Zeitverlauf verstärkt auf die Gefühlslage der Akteure und bedienten sich einer emotionaleren Bildgebung. Insgesamt wurde jedoch deutlich, dass es nach wie vor wesentlich mehr Merkmale gibt, in denen sich die Sportberichterstattung der seriösen Tagespresse von jener der Boulevardpresse unterscheidet, als dass es zu einer Annäherung gekommen ist. Die undifferenzierte Aussage, in der Sportberichterstattung sei generell eine Boulevardisierung zu verzeichnen, ist angesichts dieser Ergebnisse nicht gerechtfertigt.

Sascha Vogelsang