Andere Länder, andere (Medien-)Sitten? – Gastvorträge beleuchten die US-amerikanische und französische Medienlandschaft

Der berühmte Blick über den Tellerrand wird neben all der Theorie oft als A und O im Studium gesehen. Am besten geschieht dies natürlich durch Experten aus Forschung oder Praxis. Anfang Juni hatten die angehenden Kommunikationswissenschaftler unseres Institutes gleich doppelt Gelegenheit dazu. Im Rahmen der Vorlesung „Struktur und Organisation von Massenmedien“ standen in zwei Gastvorträgen die Mediensysteme der USA und unserer französischen Nachbarn im Fokus.

Dr. Horst Stipp, Senior Vice President der Forschungsabteilung der NBC Universal, widmete sich dem Thema „Fernsehen in den USA: Forschungsergebnisse zur Mediennutzung und aktuelle Medientrends“. Das Fersehen ist auch in den USA nach wie vor das Medium Nummer eins. „Trotz Erfolg des Internets sowie der zunehmenden Digitalisierung hat der TV-Konsum dank ‚Multi-Tasking-Nutzung’ sogar noch zugelegt“, so Stipp. Gleichzeitig erzeuge der enorme

Maarek und Döveling, Foto: privat
Prof. Phillipe Maarek und Dr. Katrin Döveling, Foto: privat

Konkurrenzdruck unter den Sendern, ähnlich wie in Deutschland, eine immer stärkere Fragmentierung der Zuschauer. Deshalb seien für die großen Medienkonzerne wie ABC/Disney, Fox und NBC Universal zukünftig vor allem zielgruppenspezifische Programme entscheidend. „Political System and Media in France“ lautete der Vorlesungstitel von Prof. Dr. Philippe Maarek. Der Direktor sowie Mitbegründer des Instituts für Politische Kommunikation der Université Paris-Est Créteil, Val de Marne, betonte die lange Tradition starker politischer Wochenzeitungen. Durch das Internet sinken Nutzung und Auflagen im Printbereich allerdings erheblich. Besonders beliebt sind aber weiterhin die Institut für Kommunikationswissenschaft kostenlosen Tageszeitungen, vor allem unter den Metro-Fahrgästen. Von großer Bedeutung ist in Frankreich auch die Beziehung zwischen dem Staat und den Medien. Oft wird ihnen eine große staatliche Nähe nachgesagt und auch die hohe Medienkonvergenz ist nicht unkritisch zu sehen. Laut Maarek werden zukünftig nur drei bis fünf Großkonzerne als TV-, Telefonund Internetanbieter in Frankreich agieren. Ähnliche Tendenzen lassen sich im internationalen Medienvergleich vielerorts finden. Wenn es auch international ähnliche Veränderungen der Mediensysteme gibt, die Eigenheiten der nationalen Mediensysteme bleiben bestehen.
Katja Spitzer