„Wo will ich mit so einem großen Bild hin?“ – Benjamin Göhl ist Mitglied im IfK-Förderverein – jetzt hat er dem Institut Kunst geliehen

In der ersten Etage des TU-Bürogebäudes Zellescher Weg passieren Studenten und Uni-Mitarbeiter neuerdings besonders interessiert die erste große Flurwand. Diese ist jetzt nicht mehr nur weiß, sondern trägt Kunst – Kunst, die beeindruckt und zugleich ein wenig irritiert. Seit November dieses Jahres hängt am IfK die Arbeit „My Secret Garden“ der Künstlerin Ulrike Theusner – ein mit 210 mal 150 Zentimeter auch in der Größe stattliches Werk. Dass das Institut nun das Bild von Theusner und weitere, kleinere Arbeiten von Stefan Plenkers und Henrik Schrat ausstellen darf, verdankt das IfK dem Dresdner Kunstsammler und langjährigen IfK-Fördervereinsmitglied Benjamin Göhl.

My Secret Garden von Ulrike Theusner. Foto: jho
My Secret Garden von Ulrike Theusner. Foto: jho

Dieser hatte die Bilder in der Galerie Rothamel erworben und macht sie nun am IfK der Öffentlichkeit zugänglich. Der Galerist Dr. Jörk Rothamel betont, dass es sich bei der 29-jährigen Ulrike Theusner um eine bedeutende Künstlerin der Gegenwart handelt: „Sie zählt trotz ihrer Jugend zu den besten zeitgenössischen Zeichnern und wird oft mit den großen Meistern des Barock und der Renaissance verglichen.“

Das IfK-Fördervereinsmitglied Benjamin Göhl ist Kunstsammler. Als Leihgabe hat er dem Institut nun einige Bilder gestiftet, darunter ein wandfüllendes Werk von Ulrike Theusner. Benjamin Göhl ist 49 Jahre alt und stammt aus Rheinland-Pfalz. Seine Herkunft ist nicht die einzige Parallele zu Prof. Wolfgang Donsbach. Der IfK-NewsLetter hat mit ihm gesprochen.

Dresden und der Kunst sehr verbunden: Fördervereinsmitglied Benjamin Göhl Foto: Florian Franik
Dresden und der Kunst sehr verbunden: Fördervereinsmitglied Benjamin Göhl Foto: Florian Franik

Herr Göhl, Sie haben dem IfK ein großes Bild von Ulrike Theusner aus Ihrer Sammlung geliehen. Wieso kaufen Sie sich Kunst, die Sie sich dann nicht selbst in die Wohnung hängen und somit kaum sehen? Sobald Sie einmal von dieser Sammelleidenschaft gepackt wurden, kommen Sie irgendwann in die Lage, dass Sie mehr Dinge haben, als Sie bei sich selbst aufhängen können. Erst hängen Sie die Kunstwerke in Ihr eigenes Büro, dann bringen Sie weitere bei Kollegen unter – bis auch das nicht mehr geht, und dann stellen Sie sich die Frage: Wer kann mit einem so großen Bild etwas anfangen? Das Bild von Ulrike Theusner hatte mich sehr beeindruckt, deshalb habe ich es gekauft. Nur wusste ich nicht so recht, wo ich mit einem so großen Bild eigentlich hin will. Da ist mir hier das Institut für Kommunikationswissenschaft eingefallen.

Und dort hängt es ja jetzt sehr schön. Wo liegt für Sie der Reiz, zeitgenössische Kunst wie jetzt bei uns am Institut öffentlich zugänglich zu machen?

Dann bekommen es auch andere zu sehen! Und es ist nicht mehr ewig in der Noppenfolie. Es ist ein schöner Effekt, dass sich auch andere daran erfreuen und vielleicht eine
Anregung gewinnen – und ich sehe es dort ja auch.

Welche Art von Kunst sammeln Sie?

Ich sammele schon sehr lange alte Grafiken, außerdem Kunst aus den 19. Jahrhundert und Zeitgenössisches. Diese Leidenschaft hat vor etwa 15 Jahren hier in Dresden ihren Anfang genommen.

Wie ist Ihre Verbindung zum IfK und zum Föderverein enststanden, was verbindet sie mit unserem Fach?

Professor Donsbach kenne ich seit Anfang der 1990er Jahre. Auch ich habe in Mainz studiert, damals kannten wir uns allerdings noch nicht. Obgleich schon emeritiert, war der Name von Frau Professor Noelle-Neumann damals in Mainz noch in aller Munde. Vor 25 Jahren habe ich ein Seminar von Professor Hans Mathias Kepplinger besucht, das zwischen den Wirtschaftswissenschaften, deren Student ich war, und eben der Publizistikwissenschaft angesiedelt war. Es ging um den Ausstieg aus der Atomenergie. Nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl am 26. April 1986 war das natürlich das Thema, nicht nur in den Medien, sondern auch in der Wissenschaft. Durch dieses Seminar hab ich einen besonderen Bezug zur Kommunikationswissenschaft bekommen.

Wie ging es beruflich für Sie weiter?

Nach dem Studium habe ich in Mainz bei einer Immobilien-Firma als Trainee-on-the- Job angefangen. Gegenüber der Personalchefin ließ ich dann mein Interesse für die neuen Bundesländer erkennen – das hat sich ein Arbeitgeber vor 20 Jahren nicht zweimal sagen lassen. Schwuppdiwupp war ich in Dresden. Das sollte ursprünglich vorübergehend sein und ist dann doch zu einer dauerhaften beruflichen Aufgabe geworden. Zwischendrin habe ich aber auch sieben Jahre in Frankfurt am Main gearbeitet. Ich hatte allerdings alles daran gesetzt, wieder in Dresden zu arbeiten. Es war toll und faszinierend zu erleben, wie die Stadt immer schöner wurde und wie sich die Lebensqualität verbesserte. Das war eine ganz besondere Zeit für mich, in der ich viele neue Menschen getroffen und Kontakte unter Dresdnern und Zugezogenen geknüpft habe. Ich lernte hier eine offene Gesellschaft kennen.
Das Gespräch führte Mathias Rentsch.


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