Decies repetita placebit – Erhellendes aus der Welt der Hausarbeiten

An dieser Stelle präsentieren wir dem geneigten Leser einige der amüsantesten Fehlgriffe aus Hausarbeiten der vergangenen Semester. Dozenten sind schon relativ schmerzfrei – es verursacht keine Herzschmerzen mehr, wenn Meyers Lexikon für die Klärung des Kommunikationsbegriffes herangezogen wird, oder von der „Schweigespiralle“ die Rede ist. Aber einige Studenten schaffen es, die Schrauben noch fester anzuziehen, und so schreckt der ahnungslose Korrektor wieder und wieder gepeinigt von Hausarbeiten auf. Bei Uses and Gratifications etwa geht es „um die Beschäftigung mit Bedürfnissen, die eine potentielle Befriedigung durch die Medien zulassen, da Medien beispielsweise nicht das Bedürfnis nach Essen stillen können [Anm.: Und das, obwohl das Fernsehen angeblich so viel Grütze produziert]. Wichtig sind eher Bedürfnisse wie Einsamkeit, Langeweile (…).“ Also mein Katalog sieht da anders aus. Apropos Essen: „Mit dem Aufkommen neuer Erfindungen, geografischer und kognitiver Erweiterung der Menschen wurden Handlungsfolgen zunehmend unabschätzbar.“ Logische Konsequenz: „Menschen nutzen also bestimmte Medien, aufgrund von ihren (sic!) menschlichen Bedürfnissen, wenn man es kausal erklären will.“ Ähm, ja. Andernorts erfahren wir: „Ein sehr entscheidendes Element der Inhaltsanalyse bildet das zu analysierende Datenmaterial.“ Ich hänge mich jetzt mal aus dem Fenster und behaupte, es ist essenziell. Dankbar sind wir für verblüffend einfache Lösungen bekannter Probleme: „Bei der Beitragsvalenz gab es Schwierigkeiten, weil oftmals zu subjektiv bewertet wurde.“ Jetzt kommt’s: „Stattdessen einigten wir und [sic!] darauf, möglichst objektiv einen Artikel zu lesen.“ Chapeau! Unübertroffen allerdings ist folgende Passage, die schwer nach Hybris riecht: „Die Beitragsnummer, die später zur Identifizierung des codierten Materials dient, wurde nach einem algorithmischen Schema zu (sic!) vergeben. (…) Wenn das ‚z’ überschritten wurde, wurde eine weitere Stelle hinzugefügt und wieder inkrementiert. (…) Die Codierung geschah also in Anlehnung an das septemvigesimale Zahlensystem, welches die Basis 27 besitzt.“ Klugscheißer konnte schon in der Grundschule keiner leiden! Apropos: Wussten Sie, dass das Septemvigesimalesystem in der Telefol- und Oksapminsprache auf Papua Neuguinea verwendet wird? Wie auch immer, wir sind gespannt, ob die Daten eine Heteroskedastizität aufweisen.
ams