Über Qualität lässt sich nicht streiten – oder? Ein Online-Experiment zur Nachrichtenqualität aus Nutzersicht

Kosteneinsparungen, Konkurrenzdruck und der Zwang, möglichst aktuell und exklusiv über die neuesten Ereignisse und Entwicklungen zu berichten, macht es Redaktionen nicht immer leicht, journalistische Standards einzuhalten.Die Rechnung, an der Qualität zu sparen, geht jedoch nur so lange auf, bis die Leser davonlaufen. Aber was ist für die Leser überhaupt „Qualität“? Haben sie ähnliche Ansprüche, wie wir sie aus wissenschaftlicher Sicht an Nachrichtenbeiträge stellen oder kommen sie zu anderen Qualitätsurteilen? Achten die Leser auf die gleichen Dinge wie wir Medienforscher, wenn wir anhand eines umfangreichen Codebuchs kritisch die Qualität eines Zeitungartikels beurteilen? Dieser Frage ging ich in meiner Magisterarbeit auf den Grund. Ich habe in einer Inhaltsanalyse je zwei Artikel guter bzw. schlechter Qualität identifiziert, welche dann von Teilnehmern eines Online-Experiments bewertet wurden. Zwar erkannten die meisten Leser die Qualitätsunterschiede, aber die Bewertung war eindeutig vom Thema des Beitrages und dem Nutzerinteresse abhängig. Wie das Sprichwort besagt, liegt Qualität damit zumindest teilweise auch im Auge des interessierten oder weniger interessierten Betrachters.
Katrin Jungnickel