Glas halb voll – Die Sachsen sind 20 Jahre nach der Wiedervereinigung zufrieden

Die Sachsen sind heute insgesamt zufrieden mit ihren allgemeinen Lebensumständen, schätzen die Chancen und Freiheiten, die die Wiedervereinigung gebracht hat, haben Angst vor einem Auseinandereißen der Familie (durch berufsbedingte Mobilität) und sind selbstverständlich stolz auf ihren Freistaat. Das Buch „Die Sachsen im wiedervereinigten Deutschland“ von Wolfgang Donsbach und Caroline Förster offenbart, was die Sachsen heute denken und wie sich diese Einstellungen seit der „Wende“ entwickelten. Es gibt damit auch Aufschluss darüber, wie die Sachsen Demokratie und freie Marktwirtschaft beurteilen.

Die Publikation Im Auftrag der Sächsischen Staatskanzlei entstanden in den vergangenen zwanzig Jahren zahlreiche Umfragen, die Einstellungen zu wirtschaftlichen, politischen und allgemeinen Einstellungen der Sachsen dokumentierten. In einer neuen Umfrage wiederholten wir 2009 einige Fragestellungen, um ein Benchmark für Daten aus früheren Jahren zu bilden. Wo es möglich war, zogen wir den Vergleich mit Gesamtdeutschland. Der Fokus liegt jedoch auf Sachsen. Aus dieser Fülle konnten wir erstmals ein komplettes Bild des Einstellungswandels in Sachsen entwerfen. Das Buch umfasst sechs Kapitel, darunter vier thematische zu Politik, Wirtschaft, Leben und Bilanz der Wiedervereinigung. Vieles ist im Freistaat seit der Wiedervereinigung geschehen und auch das Bewusstsein für diese Entwicklungen ist in der Bevölkerung weitestgehend vorhanden. Doch es gibt auch bedenkliche Befunde: Immer noch fühlt sich die Mehrheit der Sachsen als Bürger zweiter Klasse und auch eine zunehmende Attraktivität der (meist etwas diffus verstandenen) Idee des Sozialismus konnten wir feststellen.

Caroline Förster