Faszination Krimi – das Lieblingsgenre der Deutschen

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Photo: J. Hoffmann

Was führt eigentlich dazu, dass sich berufstätige Zuschauer am Vorabend Krimiserien zuwenden? Diese Frage stellt sich Hannah Muckelbauer in ihrer Bachelorarbeit „Das Phänomen der erfolgreichen Kriminalserien am Vorabend“, in welcher sie die Situation und Sehbedürfnisse Berufstätiger im Timeslot von 18-19 Uhr, sowie die entsprechenden Nutzungsmotive für Krimiserien am Beispiel der SOKO-Reihe und der Serie Navy CIS untersucht.

Der Krimi gilt in Deutschland als das beliebteste Fernsehgenre. Die  Krimiserien SOKO und Navy CIS sind als Polizeikrimiserien klassifiziert und werden jeweils am Vorabend ausgestrahlt.  Berufstätige, welche am Vorabend von der Arbeit kommen, befinden sich zur untersuchten Zeit von 18 Uhr bis 19 Uhr in einer Übergangsphase von Arbeit zu Freizeit, in welcher sie viele Aufgaben zu erledigen haben. Die Stimmung der Personen ist in dieser Phase zwar generell positiv, jedoch sind sie erschöpft und gestresst. Aus diesen Gründen erscheint es auf den ersten Blick unwahrscheinlich, dass Berufstätige sich am Vorabend Krimiserien zuwenden, da diese eher anstrengend sind und Konzentration fordern. Jedoch verzeichnen sie auf allen Sendern eine konsequent hohe Sehbeteiligung- zu jeder Zeit.

Um dieses Phänomen zu untersuchen, werden zwei Theorien angewandt. Hierbei handelt es sich zum einen um den Uses-and-Gratifications-Ansatz von Katz, Blumler und Gurtewich (1974), welcher einen Überblick darüber gibt, weshalb sich ein Mediennutzer in konkreten Situationen einem bestimmten Medium zuwendet. Dieser Ansatz ist hilfreich für die Erörterung der Gründe für die Krimirezeption.
Zum anderen  handelt es sich um die Mood-Management-Theorie nach Zillmann (1988), welche die Selektion und Rezeption von Medieninhalten erklärt und somit dabei hilft die Nutzungsmotive spezifisch für die Situation am Vorabend darzulegen.

Anhand von zehn Interviews, die mit berufstätigen Frauen und Männern im Alter von 18-64 Jahren durchgeführt wurden, welche entweder Nutzer der „SOKO“-Reihe oder von „NavyCIS“ am Vorabend sind, wurden zwei völlig unterschiedliche Nutzertypen festgestellt: Eskapisten und Parallelnutzer.
Die Eskapisten nutzen die Krimiserien am Vorabend um kurzzeitig aus ihrem Alltag zu entfliehen. Hierbei handelt es sich vermehrt um Personen, welche das Medium sehr häufig nutzen, in der Bachelorarbeit als „Heavy User“ bezeichnet.
Die Parallelnutzer hingegen schauen Krimiserien zwischen 18 Uhr und 19 Uhr als Begleitung bei anderen Aktivitäten und sind überwiegend „Light User“.
Beide Nutzertypen haben einen für Berufstätige typischen Verlauf des Vorabends. Im Gegensatz zu den Parallelnutzern sind die Eskapisten jedoch nach der Arbeit so erschöpft, dass sie die anstehenden Aufgaben nach hinten verschieben und sich eine Auszeit vorm Fernseher nehmen.

Am Ende ihrer Arbeit kommt Hannah Muckelbauer zur Erkenntnis, dass die Frage danach, was Berufstätige dazu verleitet am Vorabend Krimiserien zu schauen, schwer zu beantworten ist. Einige Aspekte konnten verdeutlicht werden- andere gilt es noch zu erforschen.

Mercedes Celine Zaremba