Monat: Januar 2011

Noch immer keine Transparenz: Eine Studie zu Produktplatzierungen im deutschen Fernsehen

Seit dem 1. April 2010 sind in Deutschland unter bestimmten Bedingungen und unter Kennzeichnung Product-Placements im redaktionellen Fernsehprogramm gestattet. Stellvertretend für das deutsche Fernsehprogramm wurde in einer Stichprobe von 217 Sendungen einer Sendewoche im September 2010 der Sender ARD, ZDF, RTL und Sat.1 das Auftreten von Produkt- und Markenplatzierungen und deren Charakteristika analysiert. Damit untersuchte die Studie Produktplatzierungen erstmals über mehrere Fernsehsender und verschiedene Genres hinweg. Sobald eine eindeutige Markenzuordnung möglich war, wurden alle Sichtungen und Nennungen von Marken oder Markenprodukten unabhängig von ihrer rechtlichen Einordnung erfasst und inhaltsanalytisch untersucht. product_placementDie Befunde zeigen, dass die seit April 2010 legalisierte Form des Product-Placements bisher kaum Anwendung findet gleichzeitig aber eine Vielzahl an Produkt oder
Markennennungen, gehäuft auch ohne eine erkennbare Notwendigkeit, innerhalb des redaktionellen Programms auftauchten. Knapp zwei Prozent der effektiven Sendezeit sind durch nicht notwendige Markennennungen angereichert. Öffentlich-rechtliche und private Veranstalter unterscheiden sich in der Art der Darstellung, nicht jedoch in der Häufigkeit. Informations- formate sind, trotz des strikten Verbots, gehäuft Träger von nicht notwendigen Produkt- oder Markennennungen. Am häufigsten vorkommende Markenkategorien sind (deutsche) Autohersteller und die Produzenten von Unterhaltungselektronik. Die Befunde legen insgesamt nahe, dass Platzierungen auch ohne Anwendung des neuen rechtlichen Rahmens gängige Praxis waren und sind.
André Rhody